Samstag, 25. September 2010

Aromastoffe - Lebensmittelchemie

Aromastoffe aus der Sicht der Lebensmittelchemie

Aromastoffe, die ein kleines Molekulargewicht (< 300 u) haben, gelangen durch ihre hohe Flüchtigkeit auf 2 Wegen in den Nasenraum.

1. orthonasal (beim Riechvorgang)

2. retronasal (über den Rachenraum beim Kauvorgang)

Im Nasenraum lösen sie dann rezeptorspezifische Nervenimpulse aus.

Wenn die Konzentration der Aromastoffe über die sog. Geruchsschwelle geht, spricht man von einer Aromaaktivität.

Auch hier spricht man von einem synergistischem Effekt, wenn mehrere Aromastoffe, die unter der Geruchsschwelle liegen, zum einem Aroma beitragen.

Mittwoch, 15. September 2010

Rosmarin & Co. sind nicht bei Hypertonikern kontraindiziert

Seit 1969 ist Robert Tisserand der Aromatherapie-Papst der Neuzeit. Seit der Publikation seines englischsprachigen Werkes 1977 ist er viel abgeschrieben worden, seit der deutschen Übersetzung Mitte der Achtziger wurden viele seiner Infos auch in deutschsprachige Bücher übernommen. Davor (und auch noch danach) spielte der französische Arzt Dr. Jean Valnet (Foto links, 1920-1995) diese Rolle, bzw. seine Bücher.
Robert Tisserand, der englisch und französisch spricht, ist ein unermüdlicher Kämpfer für den Einsatz von ätherischen Ölen und er arbeitet auch daran, hartnäckige Fehlinformationen in der Aromawelt auszumerzen. Einer davon ist die Mär, dass "Ur-Vater" René Gattefossé seine verbrannte/brennende Hand mit bereitstehendem Lavendelöl gelöscht haben soll. Tisserand weist auf die entsprechende Textpassage des Gattefossé-Buches hin um zu belegen, dass der Chemiker erst NACH einer der Verbrennung folgenden lebensbedrohlichen Infektion Lavendel anwendete und sich sein Zustand dann besserte (hier habe ich darüber berichtet). Wenn wir Aromapflegende solche Fehler gelehrt bekommen haben, geben wir sie unkorrekt weiter, nicht weiter verwunderlich.
Genauso hartnäckig hält sich das Gerücht, das ätherisches Wacholderbeerenöl (Juniperus communis) und ätherisches Zedernholzöl (Cedrus atlantica) gefährlich für Schwangere sein sollen. In den üblichen Verdünnungen angewendet (circa 1 Prozent) stellen sie für gesunde schwangere Frauen jedoch keine Gefahr dar. Die Fehlinformationen kommt von einer Verwechslung mit im englischen "cedar" genannten Bäumen: Juniperus-Arten wie Juniperus virginiana, diese "cedar" wiederum wurde verwechselt mit der "red cedar", es handelt sich in diesem Fall jedoch um den Thujabaum (Thuja occidentalis und andere Thujaarten), das ätherische Öl aus deren Holz und Zweigen kann in der Tat bereits in leichter Überdosierung und innerlicher Einnahme neurotoxisch wirken, auch für Nicht-Schwangere.
In seinem Blog macht Tisserand nun auf einen weiteren Fehler aufmerksam: Rosmarin, Thymian (Thymol), Salbei und Ysop (Foto rechts) sollen laut der Literatur nicht für Bluthochdruckpatienten eingesetzt werden. Der Duftpionier hat in der französischen Literatur nachgeforscht und herausgefunden, dass Valnet, von dem diese Warnhinweise stammen (allerdings beziehen sie sich eindeutig auf die INNERE Einnahme ("usage interne"), sich schlicht und einfach beim Zitieren vertan hat! Das Valnet Buch erschien 1964 (in französischer Sprache) und der Arzt beruft sich auf eine Studie von Caujolle und Cazal von 1944. Laut Tisserand beinhaltet aber diese Studie nur Infos über die blutdrucksenkende Wirkung von Lavendel, Lavandin und Speiklavendel. 1945 haben Caujolle und Franck zwei weitere Studien veröffentlicht, in einer wurde Ysopöl Hunden hochdosiert intravenös verabreicht. Sie hatten zunächst Blutdruckabfall, dann vor einem epileptischen Anfall steig der Blutdruck, um anschließend wieder zu sinken. Die zweite Studie berichtet über die blutdrucksteigernde Wirkung von Muskatellersalbeiöl, nicht Salbeiöl, welches eher zur Senkung des Blutdruck eingesetzt werden solle. Eine Dissertation/Doktorarbeit von 1943, auf die Valnet sich ferner bezog, konnte von Tisserand nicht gefunden werden. Er schließt jedoch seinen Text mit dem Hinweis, dass eine Aromatherapie-Massage mit diesen vier "Valnet-Ölen" (Ysop, Rosmarin, Thymian und Salbei) keine Gefahr für Bluthochdruckpatienten darstellen.
An anderer Stelle weist er zudem darauf hin, dass wenn ein Prüfungsparameter beispielsweise auf "anregend" hindeutet, ein anderer Wert genausogut auf "Entspannung" hinweisen kann, so dass es nicht so einfach ist, die Wirkung von ätherischen einfach so zu kategorisieren. Zudem müssen wir immer noch an den "Faktor Mensch" denken, der mal so mal so reagieren kann, je nachdem wie sich der momentane Zustand seines Organismus auf die natürlichen Substanzen einlässt. (Foto Jean Valnet: Laboratoire Cosbionat/Wiki Commons)

Montag, 13. September 2010

Rosenhydrolat



Bei meinem diesjährigen Frankreichurlaub begegnete ich auf einem Campingplatz den ich seit vielen Jahren kenne einem Miturlauber der auch seit vielen Jahren diesen Platz aufsucht, er fragte mich ob ich in der Gegend einen guten Augenarzt wüsste. Er plagte sich seit etwa 4 Wochen mit einer massiven Bindehautentzündung die in Deutschland schon mit etlichen Antibiotischen Augensalben von seinem Augenarzt behandelt wurde und einfach nicht so richtig abheilen wollte. Kaum in Frankreich flammte die Bindehautentzündung wieder richtig auf. Einen Augenarzt kenne ich dort nicht aber ich bot ihm Hilfe mit Rosenhydrolat ohne Alkoholzusatz an. So befeuchtete ich eine sterile Kompresse mit Rosenhydrolat und legte sie ihm auf das entzündete Auge. Mein „Patient“ war anfangs sehr skeptisch ob dies funktionieren würde auch wenn er den Duft und die Kühle als sehr angenehm empfand. Wir vereinbarten dass er am Abend des gleichen Tages noch mal vorbeikommen solle. Zu diesem Zeitpunkt sah sein Auge schon viel besser aus und er war sichtlich erstaunt und sehr beeindruckt. Die nächsten zwei Tage kam er zwei mal täglich an unserem Zeltplatz vorbei. Am dritten Tag war von der Bindehautentzündung nichts mehr zu sehen. Nach seiner Aussage war sein Auge seit Wochen nicht mehr so reizlos. Bis zu meiner Abreise eine Woche später ist die Bindehautentzündung nicht mehr aufgeflammt.

Sonntag, 5. September 2010

Myrtus communis - Myrtenernte in Peru

Die Myrtenernte in Peru.
Die Destillationsanlage besteht aus heimischen Materialien, wie z.B. Eukalyptusholz. Bei den nachfolgenden Bildern sieht man die Destillationsanlage mit Alambique, Feuerungsstelle, Kühlturm.









Der Florentiner Topf der peruanischen Destillationsanlage.



Eukalyptusholz als Brennmaterial.



Die Destillation nähert sich dem Ende.



Das Myrtenöl wird abgefüllt.

Donnerstag, 26. August 2010

Rosmarin ist die Heilpflanze des Jahres 2011

Im Juni wurde Rosmarin zur Heilpflanze des Jahres 2011 gekürt. Das Jahr der Gewürznelke 2010 neigt sich somit seinem Ende zu...Der offzielle Pressetext zum Rosmarin:
Der Rosmarin (Rosmarinus officinalis) ist der frisch gekürte Inhaber des Titels „Heilpflanze des Jahres 2011“. Ausgewählt wurde der Rosmarin durch eine Jury des Vereins „NHV Theophrastus“, welcher sich insbesondere für die Verbreitung traditionell naturheilkundlichen Wissens engagiert.
Dabei schätzen die Jurymitglieder insbesondere die große Anwendungsbreite des Rosmarins im medizinischen und kosmetischen Bereich. „Durch seine natürliche, aktivierende und tonisierende Wirkung ist Rosmarin für eine immer älter werdende Bevölkerung ebenso hilfreich wie auch für jüngere Patienten mit Erschöpfungs- und Ermüdungszeichen“, begründet ein Jurymitglied die Wahl. Außerdem wirkt er durchblutungsfördernd und krampflösend, bringt den Kreislauf in Schwung und stärkt Herz und Verdauung. Auch in der Küche ist Rosmarin in der Lage, durch gezielten Einsatz als Gewürz seine wertvollen gesundheitsfördernden und herausragenden aromatischen Eigenschaften zu entfalten.
Die öffentliche Bekanntmachung erfolgte am 8. Juni anlässlich des vom Sächsischen Landeskuratorium Ländlicher Raum e.V. veranstalteten Heilkräuter-Fachsymposiums im Kloster St. Marienstern in der Lausitz. Maria Vogel, mehr bei NHV Theophrastus

Mittwoch, 18. August 2010

Carthamus tinctorius L: - Saflor- oder Distelöl

Die Saflorpflanze, Carthamus tinctorius L., eine Ölpflanze aus der das Distelöl oder auch Safloröl hergestellt wird, ist ein Vertreter der Asteraceaen.
Traditionelles Anbauland ist Indien und China.
Als Färberpflanze gerne in Verwendung (Saflorgelb und Saflorrot - Carthamin - aus den Blüten und in den Blättern ein gelber Farbstoff), aber auch als Qualitätsöl mit ca. 78% Linolsäure.


Die Pflanze kann mit Ihrem tiefen Wurzelsystem in trockenen Gebieten angesiedelt werden.

Die Gattung Carthamus besteht aus 25 Arten, die
auf der ganzen Welt verbreitet sind.
Kultiviert wird nur Carthamus tinctorius L.. Die Ernte des Saflors beginnt i.d.R. ab Mitte September.
Innerlich eingenommen senkt es den Cholesterin-Spiegel.

V.a. aus Triglyceriden der zweifach ungesätt. Linolsäure (ca. 80%) und der dreifach ungesätt. Linolensäure (ca. 10%). Ein hoher Gehalt an Vitamin E macht es für die Ernährung so interessant.

Die Inhaltsstoffe: Palmitinsäure ca. 6%, Stearinsäure ca. 2 %, Ölsäure ca. 10%, Linolsäure 80%, alpha-Linolensäure 0,5%, ... - die unverseifbaren Anteile ca. 1%, Vitamin E und A, Squalan.
Die Jodzahl beträgt 145.

Distelöl (re im Bild) - gelblich und nussig im Geschmack - ist bis zu 1 Jahr haltbar und gehört zu den halb trocknenden fetten Ölen. Es spreitet langsam und eignet sich für die eher fette Haut, aber auch Mischhaut mit öliger Tendenz.


Für eine entspannende Aromamassage
(re im Bild - Anleitung der Unterarm
Aromamassagen mit Übersetzung für taiwanesische Teilnehmer)
eignet sich das Mischungsverhältnis von 1:1 mit
Mandelöl süß (Prunus amygdalis dulcis) oder
Aprikosenkernöl (Prunus armeniaca).

Dienstag, 17. August 2010

Pflichtprogamm in der Strahlenmedizin



Aus der komplementären Strahlenmedizin ist das tief orangefarbene fette Sanddornöl nicht mehr wegzudenken, da es zusammen mit ätherischem Niaouli-Öl (Melaleuca viridiflora oder M. quinquenervia) ungewöhnlich gut vorbeugend gegen Schäden durch Bestrahlungsbehandlungen (beispielsweise bei Brust- und Gehirntumoren) eingesetzt wird. Krankenpflegende, denen es gestattet ist, die Ölmischung einzusetzen, erleben meistens eine starke Verblüffung seitens der Ärzte und Ärztinnen. Ich habe inzwischen auch einige Frauen kennen gelernt, die nach Strahlentherapie bei Brustkrebs zur Reha kamen und erst einmal weggeschickt werden sollten, weil keine Brandwunden bzw. Narben auf "Erfolg" schließen ließen. Eine vorsorglich einzusetzende Mischung (großflächig und vorsichtig am Ort der geplanten Bestrahlung aufzutragen) könnte folgendermaßen zusammengesetzt sein:

  • 43 ml Mandelöl
  • 2 ml Sanddornöl
  • 7 gtt. Lavandula angustifolia
  • 5 gtt. Melaleuca viridiflora
  • 3 gtt. Melaleuca leucadendra
  • wenn möglich noch einige Tropfen eines hochwertigen Aloe vera-Produktes hinzufügen (zB von Farfalla Pharmos oder Santaverde)
Eine der Pionierinnen des schützenden aromapflegenden Einsatzes dieser Öle ist die Bonner Krankenschwester Gisela Blaser, sie hat entsprechend reichlich Erfahrung damit und arbeitet mit begeisterten ÄrztInnen zusammen.
Die "radioprotektive" Wirkung wurde in einer Studie dokumentiert: Giraud-Robert A M: L'huile essentielle de niaouli (Melaleuca quinquenervia) dans la prévention des radiodermites du cancer du sein. Phytothérapie , Volume 2, Number 3, May 2004 , pp. 72-76(5). Diese Studie ist für $ 42 plus MwSt. bei Springer erhältlich.


PS: Ich vergaß: Sanddornfruchtfleischöl ist eines der wichtigsten Mittel bei Beschwerden/Entzündungen der Mund-, Speiseröhren- und Magenschleimhaut. Zudem ist es eines der wichtigsten einheimischen "Multivitamin"-Immunsystemuntertützungs-Mittel für infektionsträchtige Wintermonate. Vor dem Sommer eingenommen, schützt es die Haut natürlich auch vor Sonnenbrand (aber immer mit Sonnenschutzmitteln auf der Haut kombinieren!).