Dienstag, 4. Juni 2013

Foeniculum vulgare süß und seine Einsatzorte in der Aromawelt - ein Aufsteiger?! Teil 2

In der Aromapflege und Aromatherapie schätzen wir das ätherische Öl von Foeniculum vulgare süß - genauer heißt es eigentlich: Foeniculum vulgare Mill. ssp. vulgare var. dulce (mill.) Batt. & Trab.. Mir reicht Foeniculum vulgare süß, so steht es auch in vielen Preislisten von ätherisch-Öl Firmen.

Reich gedeckter Tisch!

Auf der englisch-sprachigen Website von ESCOP (The European Scientific Cooperative On Phytotherapie) gibt es u.a. eine APP - ESCOP Herb Reference ... - die man erwerben kann, hier ist auch der Fenchel und sein ätherisch-Öl-Gehalt zu finden.
Und in Zusammenarbeit mit dem Thieme-Verlag werden Monographien - u.a. zum Fenchel (unter Foeniculi fructus - Fennel), herausgegeben.

Mitglied der ESCOP ist u.a. in Deutschland die Gesellschaft für Phytotherapie e.V..

Zum Thema Monographien noch ein weiterer Link: European Medicines Agency.

Fenchelblüten in der Mittagssonne.

Das Fenchelöl süß ist mir einerseits ein wertvoller Helfer bei Meteorismus. 1 gtt auf den sauberen Handrücken träufeln, mit der Zunge aufnehmen, im Mund verteilen und dann schlucken. Oder in 1 ml Olivenöl hineinträufeln oder auf ein kleines Stück Brot oder Knäcke und dann einnehmen. Es schmeckt zwar ein bißchen scharf, aber hilft hervorragend. Nach wenigen Minuten tritt Linderung ein und die Winde verflüchtigen sich.

Noch unreife Fenchelsamen.

Im institutionellen Bereich für Erwachsene, verwenden wir es in einer 2%-igen Mischung, mit anderen "verdauungsfördernden" ätherischen Ölen, wie z.B. Coriandrum sativum (Koriandersamen), Cuminum cyminum (Kreuzkümmel) oder Carum carvi (Kümmel)*, Lavandula angustifolia (Lavendel fein) in Hypericum perforatum Mazerat (Basis Olea europaea). * (wird in der Praxis bevorzugt)

Es ist eine Variante eines sog. "Vier-Winde-Öls", dass für den erwachsenen, nicht schwangeren Patienten/Klienten/Bewohner eingesetzt wird. Für die kleinen Patienten wird die Dosierung natürlich entsprechend angepasst!

Kontraindikationen sind ein unklares Abdomen, Schwangerschaft, entzündliche Baucherkrankungen, wie z.B. Cholezystitis und dessen Formenkreis und ein mechanischer Ileus.

In der Viszeralchirurgie wird die Mischung erst eingesetzt, ab dem Zeitpunkt, wo auch medikamentöse Abführmaßnahmen beginnen. Postoperative Darmatonie spielt hierbei eine große Rolle.

Das Abfüllen der AP-Mischung in einen Medikamentenbecher

Wir füllen uns i.d.R. 5 ml von dieser Mischung in einen Medikamentenbecher und  führen eine Friktion um den Bauchnabel herum durch (mit Augenmerk auf Verbände, bereits offengelassene Nähte, ...).

oder direkt auf die unsterile ES-Kompresse träufeln

Dann noch einmal 20 ml für eine Ölauflage um die Nähte/bzw. Verbände, ... herum, und darüber ein (wenn möglich - erwärmtes) Handtuch. Wer entsprechend Zeit hat, kann eine vollständige Auflage mit körpertemperiertem Öl durchführen.

Auf Intensiv muß es schnell gehen, deswegen arbeiten wir hier einfach, zeitoptimierend und effektiv.

Das Abfüllen in einen Medikamentenbecher ist dem direktem Aufträufeln vorzuziehen, da weniger Ölmischung verbraucht wird.

Die Auflage temperieren - zwischen 2 Wärmflaschen oder 2 in der Mikrowelle erwärmten Tellern.

Diese Auflage wird mind. 30 min. belassen - meistens mehrere Stunden - bis die nächste Schicht es abnimmt und evtl. erneuert. Der Patient wird darauf hingewiesen, sich jederzeit zu melden, falls Fragen sind oder etwas unangenehm erscheint.

Die Ölkompresse wird meistens aufgefaltet um mehr Fläche zu bedecken.

Die Patienten haben erfahrungsgemäß eine schnelle Linderung ihrer Beschwerden und fühlen sich entspannt, da die sie plagenden Winde weniger werden und ihren natürlichen Weg gehen. Über die Entspannung und den Windabgang haben die Patienten auch weniger Schmerzen und häufig wird die Stuhlausscheidung angeregt.

Wer weitere Rezeptvorschläge oder Anmerkungen zu diesem Thema hat, darf sich gerne kundtun.

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